Im Februar 2026 platzierte Proviande via bezahlter Werbung eine brisante Aussage in der Online-Zeitung Watson: «Über drei Viertel aller Nutztiere profitieren vom Bundesprogramm «RAUS» (regelmässiger Auslauf im Freien) […]». In Wahrheit sind es auf ein Jahr und nach Anzahl Tiere gerechnet nur etwa fünfzehn Prozent. Proviande kam auf ihre Zahl, indem sie in sogenannten Grossvieheinheiten (GVE) rechnete – eine technische Einheit der Landwirtschaftsbranche, die einer Kuh oder 250 Hühnern entspricht. Das ist irreführend, fanden die Tierschutzorganisationen Animal Rights Switzerland, Sentience, die Stiftung für das Tier im Recht und Tier im Fokus, die hinter dem neuen Projekt «Werbemist» stehen, das gegen tierschädliche Werbung vorgeht. Deshalb haben sie im März eine Beschwerde gegen diese Aussage bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission SLK eingereicht.
Ihre Beschwerde wurde Anfang Juni von der SLK vollumfänglich gutgeheissen. Die Kommission empfiehlt Proviande, die Aussage in Zukunft nicht mehr zu verwenden. Proviande hat die Kritik an der Zahl anerkannt und die betreffende Werbung ist in der Zwischenzeit gelöscht worden. «Der Entscheid bestätigt, dass die Aussage in der Werbung ein verzerrtes Bild der Realität vermittelt hat. Die meisten Konsumierenden gehen davon aus, dass die genannte Zahl die tatsächlichen Lebensbedingungen der Tiere widerspiegelt. Sie wissen nicht, dass das ein Ergebnis einer statistischen Berechnung ist, die die Realität deutlich schöner erscheinen lässt.», so die Organisationen.
Werbung von Proviande wurde in der Vergangenheit schon mehrfach von der SLK gerügt. So hatte die Branchenorganisation 2024 behauptet, dass nach Schweizer Recht keinem Tier Schmerzen zugefügt werden dürften, obwohl dies in der Fleischproduktion gang und gäbe ist – und wurde von der SLK dafür gerügt. Auch 2022 und 2018 wurden Beschwerden gegen Proviande teilweise gutgeheissen.
Besonders brisant: Proviande erhält jährlich über fünf Millionen Franken an Steuergeldern vom Bund, um den Absatz von Schweizer Fleisch zu fördern. Für die Tierschutzorganisationen ein Skandal.
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